Fußwallfahrt nach St. Wolfgang

Im April diesen Jahres nahm ich zum ersten Mal an einer Fußwallfahrt teil. Ich muss vorab festhalten, ich bin kein strenggläubiger Mensch. Jedoch wollte ich diese Erfahrung mal machen und mich so manchen „Geistern“ in meinem Kopf stellen. Wie es so schön heißt, bei einer Wallfahrt steht nicht der Weg sondern das Ziel im Vordergrund. Mein persönliches Ziel war sich während der Fußwallfahrt der Vergangenheit zu stellen, mit so manchen Punkten abzuschließen und mit neuer innerlicher Kraft im Wallfahrtsort St. Wolfgang anzukommen.

 

2016 war kein leichtes Jahr für mich, mehr eines der Prüfungsreichsten. Daher viel die Entscheidung die Fußwallfahrer 2017 zu begleiten sehr schnell. In meinem Heimatdorf Schildorn ist es seit jeher Tradition sich zu Fuß von Schildorn nach St. Wolfgang zu begeben. Nach einer kleinen Unterbrechung wurde die Tradition 2005 wieder neu belebt. Seither macht sich eine Kleingruppe nach einer traditionellen Entsendungsmesse in der Pfarre Schildorn auf gen St. Wolfgang. Die Tageswallfahrer stoßen am letzten Tag mit dem Bus hinzu und begleiten die Kleingruppe über den Kreuzweg von Fürberg bis hin nach St. Wolfgang. Zum Abschluss wird in der Kirche eine Wallfahrermesse abgehalten.

 


Der 1. Tag – Donnerstag 27.04.2017 – ca. 24km

Das Auto am Parkplatz vor der Kirche abgestellt, Rucksack rausgepackt und gleich mal zu den anderen in der Gruppe aufschließen. Nach der Entsendungsmesse packten wir alles zusammen und der Organisator ging mit dem Kreuz, welches als Symbol mitgeführt wird, vor. Nachdem wir die Ortstafel Schildorn hinter uns gelassen haben, war es nun Aufgabe der drei neuen Teilnehmer – unter anderem auch ich – das Kreuz bis nach St. Wolfgang zu tragen.

Anfangs kam es mir wie ein Schulwandertag vor, den wir früher immer durch die Gemeinde hatten. Aber kaum erreichten wir den beeindruckenden Kobernaußerwald, in den wir tief eindrangen und somit für mich unbekannte neue Gebiete und Wege beschritten, stellte sich das richtige Wandergefühl ein. Den ersten Zwischenstopp legten wir am Materl Jägerbild ein. Jeder bekam ein Büchlein um daraus mitzusingen oder Texte vor zu lesen. Nach einer Jause und einer Dose Bier, die am Vortag auf unbekannte Weise Ihren Weg in den Wald gefunden hatte – diese wurden natürlich von einem Mitstreiter deponiert – ging es weiter zur nächsten Station. Während der Wanderung unterhielt ich mich mal mit den anderen, lies mich aber auch gern mal wieder etwas zurückfallen um mich meinen Gedanken zu widmen.

An der Kapelle Gmeineck wurde nach kurzer Andacht von den Besitzern zünftiger Rum mit Tee (ich meinte natürlich Tee mit Rum) für die Weibsbilder,  Bier für die Mannsbilder und herzhafter Kuchen für alle kredenzt. Was für ein Empfang, so lässt sich’s aushalten.

Die nächste traditionelle Station ließ nicht lang auf sich warten. Beim ehemaligen Wirt Padinger wurde eine neue Kapelle errichtet indem zuvor das Materl einem Verkehrssünder zum Opfer fiel. Der ehemalige Wirt und Besitzer, der uns herzlichst empfing, begleitete uns zur Andacht in die wunderschöne Kapelle und erzählte uns die Geschichte von der Entstehung. Zwischendurch muss ich schon mal stolz festhalten – schön langsam klappt das auch bei mir mit dem Mitsingen bei den Liedern.

Wir wurden anschließend in die warme „Stubn“ eingeladen und sagten natürlich nicht nein dazu. Von der Enkelin des ehemaligen Wirten wurden wir mit Getränken empfangen und alle fühlten sich gleich heimelig. Da hätten wir es glatt noch länger ausgehalten wenn wir nicht zeitig weiter müssten.

Den Weg weiter folgend ging es wie üblich mal leicht bergauf dann wieder bergab und dann das Ganze wieder von vorne, bis wir endlich in Frankenmarkt angelangten um bei der Abendandacht teilzunehmen.

 


 

Der 2. Tag – Freitag 28.04.2017 – ca. 27km:

Wie üblich aufstehen, sich strecken und die Vorhänge aufziehen. Ahhhh, mir viel das Herz in die Hose, der Mund klappte auf ohne das ein Ton rauskam, ich viel geradezu in einen Schreckzustand. Ihr werdet es nicht glauben, aber da draußen liegt Schnee! Ja, Schnee. Ich dachte mir natürlich gleich was hab ich für ein Glück so ein einmaliges Erlebnis mitzuerleben. Ok, das war der zweite Gedanke, der erste war, welchem Irren ist das den eingefallen.

Naja, blieb ja nichts anderes übrig als zu frühstücken, Sachen zusammenzupacken, wetterfeste Kleidung anzulegen und bei Schneefall weiter zu marschieren. Natürlich konnten wir drei Neuen in der Runde uns den ganzen Tag anhören was wir den alles verbrochen haben wegen diesem Wetter.

Aber im Laufe des Tages gefiel es mir immer mehr im Schnee zu marschieren und diese weiße Winterlandschaft zu durchqueren. Besser als vom Regen klatsch nass zu werden oder zu heißes Wetter wo man sich den „Deppen“ runterschwitzt. Also ich muss zugeben der Schnee hatte was für sich.

Nach den Stopps bei den Kapellen Hüttenedt und der Lindenkapelle ging es über den Mondseeberg nach Mondsee in dem wir im Hotel Restaurant Krone einen Stopp fürs Mittagessen machten. Mit der “Schifffahrt Hemetsberg“ schipperten wir über den Mondsee nach Plomberg. Manche nutzen das für einen Mittagsschlaf. Meine Augen waren auch schon etwas schwer, aber ich kämpfte, denn die Neugier war wiedermal stärker. Vom Kapitän erfuhren wir nämlich ganz interessante Geschichten von der Umgebung und wer so an Prominz öfters vertreten ist.

Von Plomberg aus ging es wieder zu Fuß weiter via Scharfling über die alte Zugtrasse der Schnackerlbahn, die zwischen 1871 und 1957 dort verkehrte. Und dann endlich nach dem Anstieg Blick auf den Krottensee und somit die Gewissheit die heutige Etappe geschafft zu haben. Wir bezogen unsere Zimmer in der Unterkunft „Schlossmayerhof – Urlaub am Bauernhof“ und freuten uns bereits auf die zünftige Jause, die wir dort serviert bekamen.


 

Der 3. Tag – Samstag 29.04.2017 – ca. 10km:

Vorhang auf – und man glaubt es kaum, die Sonne kämpfte sich seinen Weg durch die Wolken und gewann im Laufe des Tages auch die Überhand.

Was war es doch für ein schönes Gefühl am letzten Tag – nach Regen und Schnee – nun endlich zum Abschluss die Sonne zu Gesicht zu bekommen. Tja am Ende wird dann wohl doch alles immer gut.

Nach der wunderbaren Bewirtung von der Schlossmayrhof-Besitzern mussten wir auch gleich weiter nach Winkel um dort im Europakloster Gut Aich die Tageswallfahrer zu empfangen. Nach einer Andacht ging es in einer Prozession Richtung Fürberg. Am Fuße des Fürbergs angekommen wurden alle Neulinge zusammengerufen, denn es ist Brauch bei der ersten Wallfahrt am Kreuzweg über den Fürberg einen Stein mitzutragen, den man an der letzten Station ablegt.

Beim bergauf Marschieren fragte ich mich wo zwischendurch meine Kondition geblieben ist – ist die wohl im Bett geblieben? Der Anstieg lies wiedermal meinen Puls davongaloppieren und ich musste mich von ein paar sportlicheren Tageswallfahrern überholen lassen. Aber es ist ja nicht wichtig als wievielter man oben ankommt. Wichtig ist, sich den Strapazen entgegen zu stellen, den Stein, der – obwohl so klein – doch immer schwerer in den Händen liegt bis nach oben zu tragen. Letztendlich das Gefühl, den Stein ablegen zu dürfen, zu realisieren, dass nun ein wichtiger Schritt für mich selbst auch abgeschlossen ist, ist unbeschreiblich. Nach der Andacht in der Falkensteinkirche und einem Zwischenstopp an der Brunnkapelle, dem Quellwasser dort wird heilende Wirkung zugeschrieben, machten wir uns an den Abstieg. Unten angekommen musste ich ein „ich bin endlich in St. Wolfgang angekommen Bild“ an der Ortstafel machen. Schon ging es weiter ins Zentrum auf ein kurzes Stehseiterl, natürlich nur um die Zeit zu vertreiben bis die Andacht in der Kirche anging.

St. Wolfgang war an diesem Tag fein herausgeputzt und viele liefen in wunderschöner Tracht herum – es fanden nämlich zwei Firmungen an diesem Tag statt. Dazwischen waren wir verschwitzten Wanderer – natürlich nicht so fein herausgeputzt – aber dafür stolz die rund 60km geschafft zu haben und als Abschluss nun die Wallfahrermesse besuchen zu dürfen.


 

Ich bin zwar kein neuer Mensch dadurch geworden – was ja auch nicht das Ziel war, aber ich konnte mich bewusst so manchen Gedanken stellen und mich so dadurch nochmals von meinem im Vorjahr verstorbenen Cousin verabschieden, was mir persönlich sehr wichtig war.

 

Manchmal muss man zwar Abschied nehmen, aber die Erinnerung lebt in einem weiter.

 

Der Versuch in die Zukunft zu blicken und endlich die Vergangenheit hinter mir zu lassen fällt mir nun tatsächlich etwas leichter.

Und ich kann behaupten: ich habe endlich meine erste Weitwanderung geschafft – juhuuuuuu

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